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„Festgemauert in der Erden
Steht die Form aus Lehm gebrannt.
Heute muss die Glocke werden,
Frisch, Gesellen, seid zur Hand!“

Naja ganz so dramatisch wie in Schillers „Lied von der Glocke“ ging es heute bei mir nicht zu, aber ich habe den Tag zur Endmontage (natürlich heißt das in Fachkreisen „Einschalen“) meiner ersten Uhr genutzt.

Nachdem ich mir alles fein säuberlich zurechtgelegt habe, kommt als Erstes das Zifferblatt dran. Schön, dass es so einfach losgeht.
Auf der Rückseite des Zifferblatts befinden sich zwei Stifte, die in die entsprechenden Bohrungen des Werks passen. Diese Stifte werden durch Verdrehen von Exzentern im Uhrwerk eingeklemmt und damit festgehalten.

SiegfriedsonSchon hier merke ich, dass ich nicht mehr der Jüngste bin und das ab 40 doch schon die Altersweitsichtigkeit einsetzt. Also Brille auf. Und damit ich nicht überall Fingertapsen hinterlasse, ziehe ich mir noch ein paar Latex-Fingerlinge über.

Nachdem das Zifferblatt sitzt, kommen die Zeiger dran. Hier geht ohne Lupe und vor allem ohne ruhige Hände gar nichts.
Ich will jetzt nicht weiter ins Detail gehen (war das gerade ein Erdbeben oder warum zittert hier alles), aber ich musste des Öfteren ansetzen, bis die Zeiger fest in der gewünschten Position sitzen.

Jetzt kommt das eigentliche Einschalen. Dazu kommt als Erstes die Aufzugswelle aus dem Uhrwerk. Danach werden die Werkshalteschrauben angebracht – und schwups liegt auch schon eine unauffindbar irgendwo auf dem Boden.

Nachdem das Werk im Gehäuse sitzt, kommt die Aufzugswelle an die Reihe – erst einmal auf Länge bringen. Hier half mir dieses Video (übrigens ein sehr empfehlenswerter Kanal ums Uhrenreparieren):

Zwar half mir das im letzten Artikel vorgestellte Video nicht so recht beim Ausbau der Aufzugswelle, aber dafür umso mehr beim Zerlegen der Ausrückmechanik.
SiegfriedsonNach dem Motto „Nach fest kommt lose.“ habe ich beim Einbau der Aufzugswelle etwas viel Kraft angewandt und die Führungsnase der Welle brach mir in besagter Mechmik (übrigens ein offizieller Ausdruck in der Mechanik – zumindest sagte das mein Prof im Studium). Nach etwas Schütteln wollte diese Nase nicht freiwillig rauskommen. Also, wie baute man das doch gleich auseinander?

Nachdem ich wieder alles zerlegt hatte und von vorn gestartet bin, passte auch die Aufzugswelle, alle Schrauben waren fest und ich konnte den Gehäuseboden einschrauben.

Et voila, meine erste Siegfriedson ist fertig.

Neben diversen YouTube Videos/Kanälen (https://www.youtube.com/channel/UC7vSOnpUocYq0z8oiYFk0zQ) finde ich auch folgende Seiten recht empfehlenswert. Hier findet man auch die technischen Details, die ich hier nicht beschrieben habe:
http://www.sinn-uhrenforum.de/index.php?page=Thread&threadID=5329
https://watch-movements.eu/blog/2016/02/14/ein-uhrwerk-aus-dem-gehaeuse-ausbauen/

Kategorien: Allgemein

1 Kommentar

Bernd · 31. August 2016 um 19:19

Herzlichen Glückwunsch! Ich bin gespannt 🙂

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